Veranstaltungen
Die Tusculanae disputationes gehören immer noch zu den eher weniger erforschten Philosophica Ciceros. Auch wenn sich gerade in der jüngeren Vergangenheit die Publikationstätigkeit zu diesem Werk intensiviert hat, fehlen weiterhin insbesondere Detailuntersuchungen zu den einzelnen Büchern und ihren je spezifischen Themen sowie zu deren Beitrag für das Gesamtkonzept des Werks. Dieses Desiderat nimmt eine internationale Tagung zum Anlass, die ersten beiden Bücher der Tusculanen näher in den Blick zu nehmen und anhand exemplarischer Fallstudien deren thematische und strukturelle Besonderheiten zu erhellen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf dem Verhältnis von therapeutischer Intention und rhetorischer Persuasion liegen.
Die Tagung steht im Kontext des langfristigen Vorhabens einer kooperativen Kommentierung von Ciceros gesamten Tusculanae disputationes durch die beiden Organisatoren der Tagung. Begonnen hat es mit der Kommentierung des fünften Buchs, die in den Jahren 2020 bis 2024 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert worden ist. Nachdem die Publikation dieses Kommentars, begleitet von einleitenden Essays und einer neuen deutschen Übersetzung des fünften Buchs, unmittelbar bevorsteht, soll nun die Kommentierung der restlichen Bücher des Werks in Angriff genommen werden. Vorträge und Diskussionen der Tagung sollen hierzu zunächst für die Bücher 1 und 2 wesentliche vorbereitende Impulse liefern. Am 1. und 2. April 2027 wird sodann in Würzburg eine weitere Tagung stattfinden, die den Büchern 3 und 4 der Tusculanen gewidmet sein wird.
Organisation: Prof. Dr. Gernot Michael Müller (Bonn); Prof. Dr. Jörn Müller (Würzburg)
Das Programm finden Sie hier.
English:
Cicero’s Tusculanae disputationes remain among his comparatively less extensively studied philosophical works. Although scholarly attention to this dialogue has increased considerably in recent years, there is still a notable lack of detailed studies devoted to the individual books, their specific themes, and their respective contributions to the work’s overall conception. Addressing this research gap, an international conference will focus on the first two books of the Tusculanae disputationes, using selected case studies to illuminate their thematic and structural characteristics. Particular attention will be paid to the relationship between therapeutic intention and rhetorical persuasion.
The conference forms part of the long-term project of producing a collaborative commentary on Cicero’s complete Tusculanae disputationes, undertaken by the two conference organizers. The project began with a commentary on Book 5, which was funded by the German Research Foundation (Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG) from 2020 to 2024. As the publication of this commentary—accompanied by introductory essays and a new German translation of Book 5—is now imminent, work on the remaining books of the treatise is about to commence. The papers and discussions at the conference are intended to provide essential preparatory impulses for the commentaries on Books 1 and 2. A second conference, devoted to Books 3 and 4 of the Tusculanae disputationes, will subsequently be held in Würzburg on 1–2 April 2027.
Organisation: Prof. Dr. Gernot M. Müller (Bonn); Prof. Dr. Jörn Müller (Würzburg)
The program can be found here.
Bei diesem internationalen Workshop stehen die vielfältigen produktiven Aufnahmen und Verhandlungen paganen Gedankengutes in christlichen Kontexten (und umgekehrt) im Vordergrund der Betrachtung. Die Veranstaltung reiht sich damit in die aktuelle Forschungslandschaft ein, die die Spätantike als eine Epoche großer Vielschichtigkeit und fluider Identitäten erkundet. Die als Fallstudien angelegten Beiträge behandeln nicht nur ein breites geographisches, zeitliches und soziales Spektrum an Akteuren, sondern nehmen auch verschiedene Gegenstände (Texte, Praktiken, materielle Hinterlassenschaften) unter philologischen, historischen und archäologischen Gesichtspunkten in den Blick.
Die Tagung beginnt am 26. Juni um 16 Uhr in Seminarraum 11 (Rabinstr. 8)
Organisation: Jacob Bernitzki (Klassische Philologie), Gregor Kirilov (Alte Geschichte)
Das Programm finden Sie hier.
Die internationale Tagung Practicing Genre. Dynamics of Generic Form(ation)s in Greco-Roman Literature (8.–10. April 2026, Universität Bonn, IMPULSE – House for Intellectual Innovation and Creativity) widmet sich einem zentralen methodischen Problem der Altertumswissenschaften: der Frage, wie literarische Gattungen in der griechisch-römischen Antike konzeptualisiert werden können. Anstatt Gattungen – im Gefolge ihrer späteren Rezeption – als stabile und normativ fixierte Kategorien zu begreifen, wie es etwa die Lektüre von Aristoteles’ Poetik oder Horaz’ Ars Poetica nahelegt, rückt die Tagung einen praxeologischen Zugriff in den Vordergrund. Gattungen erscheinen hier als Resultat wiederholter Praktiken der Produktion, Aufführung, Zirkulation und Lektüre in spezifischen sozialen und institutionellen Kontexten.
Mit Beiträgen aus Europa sowie Nord- und Südamerika untersucht die Tagung diese Dynamiken entlang von vier Perspektiven: der Herstellung von Gattungen (Materialität und Akteure), ihrer performativen (De)Stabilisierung, ihren sich wandelnden Affordanzen und Nutzungsmöglichkeiten sowie ihrer Rolle in der Verschränkung von ästhetischer Praxis und sozialer Ordnung. Das detaillierte Programm ist in vier thematische Sektionen gegliedert und setzt diese Perspektiven in einer Reihe von Fallstudien aus der griechischen und lateinischen Literatur zueinander in Beziehung. Programm, Poster und Flyer sind hier abrufbar und geben einen Überblick über Vorträge, Sektionen und organisatorische Hinweise.
Indem die Tagung Gattungen konsequent als Resultate von Praktiken versteht, trägt sie dazu bei, ihren Status in der griechischen und lateinischen Philologie neu zu bestimmen und zugleich stärker mit aktuellen theoretischen Ansätzen der Genre-Forschung zu verbinden.
Für weitere Informationen, Anmeldungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Adrian Weiß (Universität Bonn) – adrian.weiss@uni-bonn.de
Daniel Wendt (Universität Graz) – daniel.wendt@uni-graz.at
English:
The international conference Practicing Genre. Dynamics of Generic Form(ation)s in Greco-Roman Literature (8–10 April 2026, University of Bonn, IMPULSE – House for Intellectual Innovation and Creativity) addresses a central methodological problem of classical scholarship: how to conceptualize literary genres in Greco-Roman antiquity. Rather than treating genres as stable, normatively defined categories—as suggested by the later reception of canonical texts such as Aristotle’s Poetics or Horace’s Ars Poetica—the conference adopts a praxeological perspective. From this viewpoint, genres emerge from repeated acts of production, performance, circulation, and interpretation within specific social and institutional contexts.
Bringing together scholars from across Europe and the Americas, the conference explores these dynamics along four interconnected axes: the making of genre through material conditions and agents; the performative stabilization and destabilization of genre; the changing affordances and uses of genres over time; and the role of genre in structuring aesthetic experience and social order. The detailed program is structured into four thematic sections and brings these perspectives into dialogue across a series of case studies spanning Greek and Latin literature. The full schedule, along with the conference poster and flyer, is available here and provides an overview of speakers, panels, and practical information.
By foregrounding genres as products of practice, the conference seeks to reframe their status in Greek and Latin philology and to place the study of ancient literature in closer dialogue with current theoretical approaches to genre.
For further information, registration, or any inquiries, please contact:
Adrian Weiß (University of Bonn) – adrian.weiss@uni-bonn.de
Daniel Wendt (University of Graz) – daniel.wendt@uni-graz.at
Die Tagung wird durch großzügig durch die Fritz-Thyssen-Stiftung und die philosophische Fakultät gefördert.
The conference generously is supported by the Fritz-Thyssen-Stiftung and the Faculty of Art of the University of Bonn.
Dezentrale Globalität:
Die lateinische Textkultur nach dem Ende des Römischen Reichs
Internationale Tagung vom 20.–22. April 2023 an der Universität Bonn,
veranstaltet von Prof. Dr. Ulrich Eigler (Zürich) und Prof. Dr. Gernot Michael Müller
Der Zeitraum vom 6. bis zum frühen 8. Jahrhundert präsentiert sich in den Regionen des ehemaligen weströmischen Reichs als Phase des Umbruchs. Er ist zum einen geprägt von der anhaltenden Präsenz antiker Hinterlassenschaften, die in unterschiedlicher Intensität auf eine ehemals globale Kultur verweisen. Zum anderen schreitet in ihm die bereits im spätantiken römischen Reich einsetzende Regionalisierung und Dezentralisierung weiter fort.
Dieses Spannungsfeld markiert die Koordinaten einer Schrift- bzw. Buchkultur, die sich entgegen älterer Forschungsmeinungen als lebendig und kreativ erweist. Zwar regionalisieren sich die sozialen Netzwerke und damit die Kommunikationsräume von Literatur. Daneben dehnt sich aber lateinische Textkultur erstmals in Regionen aus, die niemals Teil des römischen Reichs und zuvor literarisch inaktiv gewesen sind. Die neue, nach wie vor lateinische Produktion ist geprägt durch das Nebeneinander und die gegenseitige Durchdringung regionaler Innovation und Persistenz globaler Reminiszenzen.
Die bisherige Forschung hat in ihrem Blick auf die Literatur des 6. bis 8. Jahrhunderts in der Regel die für diesen Zeitraum konstitutive Regionalisierung nachvollzogen und Fragestellungen bevorzugt, die sich entweder auf bestimmte Teilaspekte oder einzelne Räume fokussiert haben. Literaturgeschichten wie jene von Franz Brunhölzl behandeln die Epoche bevorzugt aufgeteilt nach den sie prägenden Literaturlandschaften und Regionen. Ihre Gesamtwürdigung als textkultureller Raum steht somit weiterhin aus. Diese soll zudem, wo immer möglich, bei den Handschriften anzusetzen, deren Inhalt, Entstehungsbedingungen oder Wanderungsbewegungen dokumentiert und interpretiert werden sollen. Schließlich ist es eine Besonderheit der Epoche, dass erstmals in größerem Maße eine zu den Texten zeitnahe Überlieferung vorliegt. So wird es möglich, entlang der Handschriften mit Blick auf Kommunikationsprozesse, Zentren und Routen die Vermessung eines durch Texte konstituierten (Zeit-)Raumes vorzunehmen.
Um diesen weiter auszuloten, planen wir eine internationale Tagung. Anhand ausgewählter Fallstudien sollen insbesondere methodische Fragestellungen diskutiert werden. Mögliche Themenfelder und Problembereiche sollten dabei sein:
- Genese und Transformation wichtiger Textsorten zwischen Globalität und Regionalität: Historiographie; Hagiographie; Dichtung; Epistolographie; Fachschriften; Juristische
- Literatur; Bibel und biblische Schriften; theoretische Theologie und praktische Theologie; Tituli/Inschriften
- Koexistenz von Regionalität und Globalität sowie Tradition und Innovation in ihrer Bedeutung für sprachliche und schriftbezogene Entwicklungen, insbesondere in ihrem materiellen, paläographisch-kodikologischen Befund
- ‚Spatial turn‘ und ‚Mapping‘: Kulturwissenschaftliche Ansätze bei der Erforschung und (visuellen) Darstellung von Kommunikation in historischen transregionalen Netzwerken
Bericht zur Arbeitstagung der Bibliothek der lateinischen Literatur der Spätantike (BLLS),
organisiert von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Bonn, Tagungsort Bonn
am 6. und 7.10.2022,
von Tristan Spillmann
Das diesjährige Arbeitstreffen der Bibliothek der lateinischen Literatur der Spätantike (BLLS) fand am 6. und 7. Oktober 2022 an der Universität Bonn unter Federführung von Herrn Prof. Dr. Gernot Michael Müller statt. Die Tagung wurde nach dem Grußwort von Herrn Müller mit der Berichterstattung der beiden Herausgeber Herrn Prof. Dr. Alexander Arweiler (Münster) und Herrn Prof. Bardo Gauly (Eichstätt-Ingolstadt) zu aktuellen Tätigkeiten, Rahmenbedingungen und Organisation der Übersetzungsreihe eingeleitet. Im Anschluss folgten einzelne Projektvorstellungen der Übersetzerinnen und Übersetzer, die anhand ihrer aktuellen Arbeitsphasen konkrete Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit spätantiken Texten im Plenum diskutieren ließen. Tendenziell stellen stilistische Besonderheiten sowie semantische Verschiebungen unter dem Einfluss christlich aufgeladener Begrifflichkeiten die primären Herausforderungen dar, die eine umfassendere Erschließung der Literatur als solche sowie der sozio-kulturellen Umgebung erfordern. So stellte beispielsweise Petra Riedl (München) Auszüge aus ihrer Übertragung der philosophischen Schrift De statu animae des Presbyters Claudianus Mamertus († ca. 474) vor, die vor allem hinsichtlich der applizierten Terminologie einerseits und der Argumentationsstruktur andererseits Missverständnisse erzeugen kann. Bardo Gauly hingegen sprach allgemein über die gesteigerte Nutzung von spezifischen Partikeln und Konnektoren wie autem, die sich nicht allein als stilistische Eigenart, sondern als für die Abbildungsfunktion narrativer Texte gebräuchliche Elemente erweisen. Ebenso wurde eine Metadiskussion über die Übersetzung als solche in Gang gesetzt, die Übersetzungsansprüche sowie den künstlerische Aspekt von Übertragungen behandelte; ferner wurden Vor- und Nachteile von ausgangssprachenorientierten und, was das Ziel der BLLS darstellt, zielsprachenorientierten Übersetzungen berührt.
Das Tagungsprogramm wurde durch zwei gesonderte Vorträge abgerundet. Am 7.10 sprach Herr Prof. Dr. Christian Hornung (Bonn) zum Thema „Spätantike Briefrhetorik in den Schreiben römischer Bischöfe“. Anhand ausgewählter Schreiben aus dem 4. und 5. Jahrhundert konnte Hornung rhetorische Veränderungen aufzeigen, die den Wandel des römischen Bischofsamtes reflektieren. So übernahmen die Päpste den kaiserlichen Verwaltungsstil, deuteten etablierte Begriffe um und applizierten eine dezidiert juristische Terminologie. Die Anpassung der Rhetorik spiegelte den Institutionalisierungs- und Verrechtlichungsprozess des Amtes wider, der mit einer expliziten Artikulation des Primatanspruches einherging, bei der sich die vermeintliche römische Doppelapostolizität als wirkmächtige Argumentationsfigur erwies.
Am 8.10. sprach Frau Prof. Dr. Dorothea Weber (Salzburg) über „ „Ephraem Latinus oder die Übersetzung der Übersetzung. Zum lateinischen Corpus asketischer Schriften Ephraims des Syrers“. Bei dem christlichen Schriftsteller Ephraim (ca. 306–373) handelt es sich um einen im Mittelalter äußerst beliebten Autor, dessen Werke in beinah 200 Handschriften überliefert wurden und sowohl syrische, von Ephraim selbst verfasste Texte als auch griechische und lateinische Übersetzungen umfassen. Anhand spezifischer Metaphern und Figurationen diskutierte sie mögliche Vorlagen und problematisierte exemplarisch die Überlieferungs- und Kommentierungsschwierigkeiten spätantiker (lateinischer) Schriften, die, insbesondere im Falle Ephraims, eine interdisziplinäre literarische, aber auch sozio-kulturelle Erschließung erfordern. Abgeschlossen wurde die Arbeitstagung mit einer Diskussion über zukünftige Treffen, die Formate und einen Kommunikationsausbau, der den Austausch zwischen den Übersetzerinnen und Übersetzern über digitale Wege intensivieren soll. Das nächste Treffen soll am 6. und 7.10.2023 in Münster stattfinden.