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Prof. Dr. Dorothee Gall: Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2005/06

4004
Lateinische Vorlesung: Die römische Literatur des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr.
Do. 16-18, HS XII
Beginn: 20.10.2005


Im Jahre 240 v. Chr. feiert man in Rom das Ende des 1. Punischen Krieges; zu den Festveranstaltungen gehört auch die erste Bühnendarbietung einer Tragödie in römischer Sprache. Die Umsetzung aus dem Griechischen und die Inszenierung unternimmt Livius Andronicus, ein Kriegsgefangener aus der Magna Graecia. Er gibt damit den Auftakt zu einer Entwicklung, die für die europäische Kulturgeschichte konstitutiv wird: die Genese der römischen Literatur. Im Laufe der folgenden 150 Jahre werden im lateinischen Sprachraum die meisten Gattungen der griechischen Literatur aufgegriffen und nachgebildet; Tragödie, Komödie, Epos, Geschichtsschreibung und Fachschriftstellerei entfalten sich in zunehmender formaler Perfektion und stofflicher Eigenständigkeit.
Dabei werden ursprünglich italische Formen zunehmend verdrängt, der Anspruch von Autoren und Publikum orientiert sich einerseits an den künstlerisch vollendeten griechischen Vorbildern selbst, andererseits an den Kunstmaximen, die der alexandrinische Gelehrte und Dichter Kallimachos (ca. 300-240) verbindlich gemacht hatte. Livius Andronicus übersetzt Homers Odyssee ins Lateinische, Naevius und Ennius gestalten römische Geschichte in der Form des Epos, Ennius adaptiert das Versmaß des Hexameters, Cato verfasst Prosa-Werke zur römischen Geschichte und zur agri cultura; Pacuvius und Accius verleihen in ihren Tragödien, Plautus und Terenz in ihren Komödien den im wesentlichen griechisch geprägten Vorlagen ein partiell römisches Kolorit, Lucilius entwickelt mit der Gattung der satura ein literarisches Medium für Zeitkritik und persönliche Invektiven, Lyrik und Epigrammatik erobern als kultivierte Gelegenheitsdichtungen die römische Gesellschaft.
Die Vorlesung zeichnet den Prozess der Entstehung der römischen Literatur durch Nachahmung und konstruktive Rezeption der griechischen Literatur nach und stellt die Gattungen, Autoren, Werke und Themen der frühen und vorklassischen Epoche im Überblick und in Einzelinterpretationen vor.
Die Vorlesung richtet sich an Studierende der Latinistik bzw. Klassischen Philologie, an Studierende der Literaturwissenschaft und an interessierte "Laien". Behandelte Texte werden in Original und Übersetzung vorgelegt.

4012
Lateinisches Hauptseminar: Tacitus, Dialogus de oratoribus
3st., Do. 12 s.t.-14.15, Mittel- und Neulateinische Bibliothek
Beginn: 20.10.2005


Der "Dialog über die Redner" thematisiert in ciceronischemStil und in einer dem ciceronischen Dialog verpflichteten Struktur dreihistorisch und kulturgeschichtlich bedeutende Fragen: Ist die Dichtkunst derRednertätigkeit vorzuziehen? Sind die Redner der Vergangenheit höher zuschätzen als die der Gegenwart? Wie ist der historische Wandel der eloquentia zu erklären und zu bewerten?
Der Dialogus de oratoribus ist damit nicht nur ein literarisch facettenreicher undreizvoller Prosatext, sondern auch eine wichtige Quelle für Tacitus\' Verständnisvon Literatur und Rhetorik und für seine Einstellung zur Entwicklung desrömischen Staates in der Zeit nach Augustus.
Neben die engere Textanalyse treten in der gemeinsamen Arbeitim Seminar die Beschäftigung mit römischer Rhetorik, der vergleichende Blickauf Cicero, De oratore und die Auseinandersetzung mit Forschungsfragen, u.a.zur Zeit von Abfassung und Veröffentlichung, zum historischen Hintergrund undder historischen Authentizität der Dialogeinkleidung, zur Komposition, zurFrage der Unvollständigkeit und zur Überlieferungsgeschichte des Textes.Ausgewählte Studien der Forschungsliteratur werden in einem "Reader" als Kopiervorlagezur Verfügung gestellt.

Text: Tacitus, Opera minora, rec. M. Winterbottom & R. M. Ogilvie, Oxford 1975.
Kommentar: A. Gudermann, 2. Auflage 1914; R. Güngerich, 1980.
Voraussetzung für den Scheinerwerb:Mitarbeit im Seminar, vorbereitende Lektüre des Textes und ausgewählterForschungspositionen (s. Reader), kurzes Referat (höchstens 30 Min.) mitThesenpapier und anschließender Diskussionsleitung, Hausarbeit.

4036
Lateinische Lektüreübung: Plinius, Epistulae
Mo. 14.30-16, Mittel- und Neulateinische Bibliothek
Beginn: 24.10.2005


Wie lebte man in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr.in Rom? Wie auf dem Land? Was las man - und wie? Wie vollzogen sich politischeKarrieren? Was erwartete man von einem guten Redner? einem gutenSchriftsteller? Und welche Ansprüche an Moral und Bildung fanden allgemeinAnerkennung? Wie war mit der wachsenden Gemeinde der Christen zu verfahren? Undwas ereignete sich an jenem denkwürdigen Tag, an der der Vesuv ausbrach?
Dies und vieles andere thematisieren die Briefe des C. PliniusCaecilius Secundus, als "offene Briefe" von vornherein für ein größeres Publikumbestimmt und stilisiert. Zeitkritik, Witz, ein lebendiges Interesse ankulturellen Prozessen, aber auch die Notwendigkeiten eines politisch aktivenLebens und der Verantwortung für die Familie prägen diese meist kurzen Texteund machen sie zur anregenden und informativen Lektüre.
Ausgewählte Briefe oder Briefausschnitte werden in einem "Reader" alsKopiervorlage zur Verfügung gestellt und gemeinsam übersetzt und interpretiert.Dabei sollen auch die Gattungsmerkmale antiker Briefliteratur erarbeitet unddie zentralen rhetorischen Mittel antiker Literatur überhaupt exemplifiziertwerden. Ein Ausblick richtet sich auf das Weiterwirken antiker Briefliteraturin Mittelalter und früher Neuzeit.

4056
Lateinische Metrikübung (Vorbereitungsstufe)
Mo. 11-13, Mittel- und Neulateinische Bibliothek
Beginn: 24.10.2005
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