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Bastian Jürgen Wagner, M. A.

KontaktFoto: Schabenberger

 

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Institut für Klassische und Romanische Philologie
- Abteilung für Griechische und Lateinische Philologie -

Am Hof 1 e
D-53113 Bonn

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Sprechstunde: nach Vereinbarung

 

Curriculum Vitae

  • 03/2018‒09/2020

    Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes e.V. 

  • 06/2017‒09/2019: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

    Studentische Hilfskraft an der Professur für Klassische Philologie und Wirkungsgeschichte der Antike (Prof. Dr. Gernot Michael Müller) 

  • 02/2017‒03/2017: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

    Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Klassische Philologie (Prof. Dr. Bardo Maria Gauly) 

  • 10/2016‒02/2020: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

    Tutorentätigkeit (Einführung in die französische Literatur- und Sprachwissenschaft sowie -geschichte, Latein-Deutsch- sowie Deutsch-Latein-Übersetzung) 

  • 10/2014‒06/2018Katholische Universität Eichstätt Ingolstadt

    Studium des interdisziplinären Bachelorstudiengangs der KU, Profil lehramtsgeeignet, Schwerpunkt Romanische Sprachwissenschaft, Abschluss: B. A.

  • 10/2014‒09/2020: Katholische Universität Eichstätt Ingolstadt

    Studium des Lehramts für Gymnasien, Schwerpunkt Latein / Französisch / Beratungslehramt, Abschluss: Staatsexamen 

  • 06/2014: Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Schwandorf

    Abitur 

Forschungsschwerpunkte

  • Cicero-Rezeption in der Frühen Neuzeit (Erasmus, Scaliger, Bembo, Dolet)
  • Dialogliteratur (Antike / Renaissance)
  • Gewaltsprache / Polemik im Dialog

Promotionsprojekt

Arbeitstitel

Ista Erasmi loquacitate nihil nobis opus erat - Der Dialogus De Imitatione Ciceroniana Étienne Dolets (1535) im Spannungsfeld von humanistischer Selbstdarstellung und frühneuzeitlicher Abgrenzungspolitik 

Projektbeschreibung

Arbeitshypothese: Der bislang kaum untersuchte Dialogus, De Imitatione Ciceroniana, adversus Desiderium Erasmum, pro Christophoro Longolio (1535) des französischen Humanisten Étienne Dolet (1508‒1546) will erstmals systematisch einen französischen Nationendiskurs anstoßen. Als Schlüsseltext humanistischer Selbst- und Gemeinschaftsautorisierung gibt er Einblicke in das diffizile Spannungsfeld politischer Patronageverhältnisse des Humanismus um 1530. Sein dezidiert herabwürdigender Duktus erlaubt seinem Autor letztlich, sich im Überbietungswettbewerb zwischen Neulatein und Vernakularsprachen für letztere zu entscheiden. 

Bereits die gegenläufigen Titelzusätze adversus Desiderium Erasmum Roterodamum und pro Christophoro Longolio sind symptomatisch für die Schlüsselstellung Dolets zwischen frühneuzeitlichem Klassizismus (antiqui) und produktiver Überwindung desselben (moderni): Denn die in Dolets Text ‒ auf Latein ‒ verargumentierte Disqualifizierung des Dialogs Ciceronianus sive De optimo genere dicendi (1528) Erasmus von Rotterdams als unangemessen (ineptum) ermöglicht ihm zwar formal die effektive Eingliederung seiner Person in die Diskurse der zeitgenössischen respublica litteraria. Inhaltlich jedoch weist ihn die Fürsprache für den französischen Humanisten Christophe de Longueil zugleich als Angehörigen einer jüngeren, in Italien ausgebildeten und in statu nascendi befindlichen französischen Gelehrtengemeinschaft aus, die sich dem erasmischen Entwurf einer lateinisch-sprechenden Gemeinschaft aller Christen widersetzt und einen renovatio-Prozess der klassischen Antike auf französischem Boden in Gang setzen möchte.

In meinem Projekt möchte ich zum einen Dolets Dialogus als den Beginn einer neuen Philologie, einer vernakularen Tendenz des Humanismus interpretieren, die erst die Pléiade um 1549 programmatisch festschreiben wird. Zum anderen ist der Dialogus in einer Zusammenschau mit Pietro Bembos Prose della volgar lingua (1525) und dem von Erasmus im Ciceronianus vorgeschlagenen integrativen europäischen Christenstaat schließlich als Auftakt-Dokument eines aufkommenden humanistischen Nationalismus französischer Prägung zu untersuchen, der sich der lateinischen Sprache nur noch als Vehikel bedient und diese mittels invektivem Sprachduktus überwindet.

Ista Erasmi loquacitate nihil nobis opus erat („Dieses Geschwafel von Erasmus hat uns noch nie etwas genützt“): Der Dialogus Dolets greift Erasmus persönlich an und wertet den Inhalt des Ciceronianus ausgehend von beißender Polemik ad hominem ab. Indem sich damit in dem Text persönliche, gesellschaftliche und invektive Komponenten überlagern, soll er in einem letzten Schritt auf Interpretationsspielräume hinsichtlich sprachlich abgebildeter In- und Exklusionsprozesse des frühneuzeitlichen Nationendiskurses untersucht werden ‒ auch diesen Diskurs führt Dolet unter Rückgriff auf das ciceronische apte loqui, das sich damit als philologisches Argumentationsmuster frühneuzeitlicher Gelehrtendiskurse erweisen kann. 

Keywords: Angemessenheit, Ciceronianismus, frühneuzeitlicher Nationendiskurs, self- und community-fashioning, Invektivität 

Vorträge

Publikationen

  • Rez. Pausch, Dennis 2021. Virtuose Niedertracht. Die Kunst der Beleidigung in der Antike, München: Beck, in: Rivista di cultura classica e medioevale (forthcoming).

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