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DFG-Projekt: Ciceros ‚Tusculanae disputationes‘ und sein Projekt einer römischen Philosophie

William Turner (1775–1851): Cicero at his villa at Tusculum (1839). Slg. Evelyn de Rothschild, Ascott Estate, Buckinghamshire, UK 

Projektbeschreibung


Ciceros ‚Tusculanae disputationes‘, entstanden 45 v.Chr., zählen zweifelsfrei zu den bedeutendsten Texten der antiken Philosophie. In fünf Büchern beschäftigt sich Cicero in ihnen mit grundlegenden Fragen von Lebensführung und Ethik, u.a. mit dem richtigen Umgang mit verschiedenen Leidenschaften und Ängsten (wie etwa der Furcht vor Schmerz und Tod) sowie mit dem Verhältnis von Glück und Tugend. Dabei knüpft er inhaltlich an seine Darstellungen der verschiedenen antiken Philosophenschulen und ihrer ethischen Entwürfe an, wie er sie in der kurz zuvor verfassten Schrift ‚De finibus bonorum et malorum‘ vorgelegt hat.

Das Ziel des Projekts liegt in der interdisziplinären Analyse und Kommentierung des fünften Buchs von Ciceros ‚Tusculanae disputationes‘, die auf dem Niveau der gegenwärtigen philosophiehistorischen, literarischen und kulturwissenschaftlichen Forschung angesiedelt ist und für die weitere Auseinandersetzung mit dem Werk aus diesen Blickwinkeln eine neue umfassende Grundlage schaffen will. Eine integrative Lektüre unter diesen Aspekten ist geboten, wenn nicht nur die Eigenleistung Ciceros bei der produktiven Adaptation seiner griechischen Quellen adäquat herausgearbeitet, sondern auch der römische Charakter seines Anspruchs, eine philosophisch fundierte Lebenslehre zu geben (den er in den Proömien der Tusculanen-Bücher selbst programmatisch formuliert), sichtbar gemacht und kritisch geprüft werden soll. Der Mehrwert dieses multiperspektivischen Ansatzes liegt darin, dass sich auf diese Weise zwei zentrale Problemkomplexe der gegenwärtigen Cicero-Forschung innovativ thematisieren lassen:

(i) die immer noch in Teilen der Forschung schwebende bzw. offene Frage nach der philosophischen Gesamtkonzeption Ciceros und deren Signifikanz bzw. Originalität;
(ii) die in letzter Zeit auf verschiedenen Ebenen virulent gewordene Frage, inwieweit die ‚Philosophie in Rom‘ als ein genuin ‚römisches Philosophieren‘ verstanden werden kann und worin genau dessen charakteristische Profilelemente zu lokalisieren sind.

Laufzeit 

01.10.20 - 30.09.23

Projektmitarbeiter (Universität Bonn)

Prof. Dr. Gernot Michael Müller
Dr. des. Johannes Sedlmeyr
Bastian Wagner

Projektmitarbeiter (Universität Würzburg)

Prof. Dr. Jörn Müller
Stefan Röttig, M.A.
Lara Turtur
Paul Wassermann

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