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Byzantinistik in Bonn

ein Name mit Tradition ...

Geschichte

Obwohl eine Professur für Byzantinistik im eigentlichen Sinne an der Universität Bonn erst in den 70er Jahren eingerichtet wurde, verbindet sich mit dem Namen »Bonn« unter Fachgelehrten doch ein besonderer Klang - dies aufgrund des so genannten »Bonner Corpus«, eigentlich Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae (CSHB), einer zwischen 1828 und 1897 auf Initiative und unter Leitung B. G. Niebuhrs entstandenen Ausgabe aller namhaften byzantinischen Historiografen in fünfzig Bänden - angefangen von Zosimos, dem »letzten Heiden«, bis hin zu den Historikern der Halosis, die die Eroberung Konstantinopels am 29. Mai 1453 beschreiben. Obwohl in weiten Teilen nicht mehr als ein Nachdruck des früheren so genannten »Pariser Corpus« (1648-1711), wird das CSHB erst seit 1966 allmählich durch das neue Corpus Fontium Historiae Byzantine (CFHB) ersetzt, das die Ansprüche an eine moderne kritische Textedition in jedweder Hinsicht erfüllt. Das Bonner Corpus bleibt somit bis heute in vielen Fällen »trotz philologisch unzureichender Darbietung der Texte die maßgebende Grundlage jeder Beschäftigung mit byzantinischer Geschichte« (P. Schreiner).

Gegenwart

Seit Juli 1973 ist Erich Trapp Professor für Byzantinistik am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik der Universität. Seither entstand in Bonn unter seiner Federführung und in fruchtbarer Kooperation mit der Kommission für Byzantinistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zunächst das weltweit beachtete Prosopographische Lexikon der Palaiologenzeit (kurz: PLP) (herausgegeben vom Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1976-1996), das ca. 30000 uns aus byzantinischen Quellen bekannte Personen zwischen 1261 und 1453 namentlich auflistet und in tabellarischer Form Informationen über deren Lebenslauf und gesellschaftliches Wirken (soweit bekannt) bietet.

Seit 1994 wird das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell geförderte Lexikon zur byzantinischen Gräzität, besonders des 9.-12. Jahrhunderts (kurz: LBG) publiziert, erstellt in Zusammenarbeit mit österreichischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und veröffentlicht im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es stellt ein dringendes Desiderat der Byzantinistik dar und soll die in der griechischen Lexikografie klaffende Lücke zwischen dem »klassischen« Lexikon H. G. Liddells und R. Scotts sowie dem patristischen Lexikon G. W. H. Lampes einerseits und dem volkssprachlichen Lexikon E. Kriaras' andererseits schließen. Der Veröffentlichung des ersten Faszikels (a-α-ἀργυροζώμιον) ging eine mehr als zwanzigjährige Sammeltätigkeit Erich Trapps voraus, der das Lexikon ursprünglich als »Ein-Mann-Unternehmen« begann und vorantrieb. Im Mai 2017 konnte das Werk mit dem Erscheinen des achten und letzten Faszikels abgeschlossen werden.

Informationen zum Studium

Ein Studium der Byzantinistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität war für die Abschlüsse Magister Artium (M.A.) und Promotion (Dr. phil.) bis 2007 möglich; die in Bonn gelehrte Byzantinistik verfolgte - gemäß der strukturellen Verankerung der Abteilung im Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik - eine hauptsächlich philologische Zielrichtung (ohne natürlich die historischen, kulturellen und religionsgeschichtlichen Hintergründe zu vernachlässigen). Vorlesungen führten in grundlegender Weise in einen wichtigen Aspekt des Faches ein und waren häufig literaturgeschichtlichen (zur Literatur der Palaiologenzeit oder zur volkssprachlichen Literatur), historischen (zur Geschichte des byzantinischen Reiches), hilfswissenschaftlichen (zur Paläographie, Diplomatik) oder wissenschaftsgeschichtlichen Charakters (Abriss der griechischen Lexikografie). Pro- und Hauptseminare bestanden in der Regel aus der Lektüre eines ausgewählten Textes, wobei sowohl sprachliche Probleme gründlich diskutiert als auch inhaltliche Komponenten in ihrem jeweiligen Kontext ausführlich interpretiert wurden.

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